Vaginales Mikrobiom unterstützen: Wege aus dem Kreislauf von Scheidenpilz und bakterieller Vaginose
Tabla de Contenidos
- Der saure Schutzschild: Warum Laktobazillen für die Scheidenflora wichtig sind
- Der Teufelskreis aus Antibiotika und Pilzmitteln (Antimykotika)
- Schleimhäute von innen unterstützen: Die Rolle von Biotin und Vitamin B2
- Die zweite Verteidigungslinie: Das Immunsystem der Schleimhaut
- Laktobazillen – Einnahme vs. Zäpfchen: Was ist nachhaltiger?
- Fazit: Scheidenflora nachhaltig aufbauen
- Häufig gestellte Fragen zur Scheidenflora
- Gut versorgt mit Mikronährstoffen
- Literatur
Ständiges Brennen, Juckreiz und die Angst vor der nächsten Infektion: Wer regelmäßig unter Scheidenpilz oder bakterieller Vaginose leidet, kennt den zermürbenden Teufelskreis. Vom Arzt gibt es meist das nächste Antibiotikum oder Pilzmittel, doch wenige Wochen später beginnt alles von vorn. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Rolle Laktobazillen, die Vitamine Biotin und Vitamin B2 sowie ein intaktes Immunsystem beim langfristigen Aufbau einer widerstandsfähigen Scheidenflora spielen.
Der saure Schutzschild: Warum Laktobazillen für die Scheidenflora wichtig sind
Eine gesunde Scheidenflora (Mikrobiom) ist dicht besiedelt mit Laktobazillen, den Milchsäurebakterien. Sie verstoffwechseln Glykogen aus den Schleimhautzellen zu Milchsäure und halten den vaginalen pH-Wert dadurch unter 4,5.
Dieses saure Milieu bildet die wichtigste natürliche Barriere der Scheide: Es erschwert krankmachenden Bakterien wie Gardnerella vaginalis und Hefepilzen wie Candida albicans die Ansiedlung. Forscher zeigten zudem, dass bestimmte Laktobazillen-Stämme wie Lactobacillus crispatus und Lactobacillus rhamnosus gezielt in die Biofilmbildung von Gardnerella vaginalis eingreifen und deren Ausbreitung zusätzlich erschweren können.
Gerät die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht, macht sich das oft zuerst durch ein diffuses, verändertes Gefühl im Intimbereich bemerkbar – etwa ein Spannen oder eine ungewohnte Feuchtigkeit –, noch bevor der Ausfluss sichtbar auffällig wird. Mit fortschreitender Verschiebung des Milieus zeigen sich dann deutlichere Symptome einer gestörten Scheidenflora: auffälliger Ausfluss, Juckreiz sowie Brennen beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr. Dahinter stecken häufig zwei der häufigsten vaginalen Infektionen: Scheidenpilz und bakterielle Vaginose.
Wann sollte man bei Scheidenpilz oder bakterieller Vaginose zum Arzt?
Bei erstmaligem, unklarem oder besonders starkem Ausfluss, bei Beschwerden während der Schwangerschaft, bei Fieber oder Unterbauchschmerzen sowie bei mehr als drei Episoden von Scheidenpilz oder bakterieller Vaginose pro Jahr ist eine gynäkologische Untersuchung der sichere Weg zur Diagnose. Nur eine ärztliche Abklärung unterscheidet zuverlässig zwischen den verschiedenen Ursachen und schließt andere Auslöser wie Diabetes oder eine sexuell übertragbare Infektion aus.
Scheidenpilz oder bakterielle Vaginose – die Unterschiede auf einen Blick
Obwohl sich die Symptome oft ähneln, unterscheiden sich Auslöser, pH-Wert und Erscheinungsbild von Scheidenpilz und bakterieller Vaginose deutlich. Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede:
| Bakterielle Vaginose | Scheidenpilz | |
| Auslöser | Ungleichgewicht der Bakterienflora, meist mit Gardnerella vaginalis | Überwucherung durch Hefepilze, meist Candida albicans |
| pH-Wert | Meist erhöht (über 4,5) | Meist unverändert, im normalen sauren Bereich |
| Ausfluss | Dünnflüssig, gräulich-weiß | Bröckelig, weißlich |
| Geruch | Fischartig (Amingeruch), oft nach Geschlechtsverkehr verstärkt | Meist geruchsneutral |
| Juckreiz | Eher gering ausgeprägt | Ausgeprägt, oft mit Rötung |
Der erhöhte pH-Wert bei bakterieller Vaginose zeigt dabei deutlich, wie eng Scheidenflora und Schutzbarriere zusammenhängen: Fehlt es an Laktobazillen und Milchsäure, verliert die Schleimhaut ihren sauren Schutz – unabhängig davon, ob am Ende Bakterien oder Hefepilze die Oberhand gewinnen.
Der Teufelskreis aus Antibiotika und Pilzmitteln (Antimykotika)
Antibiotika und Antimykotika lösen bei vielen Frauen einen frustrierenden Kreislauf aus: Die Medikamente bekämpfen zwar wirksam die akuten Erreger einer bakteriellen Vaginose oder eines Scheidenpilzes, unterscheiden dabei aber nicht zwischen schädlichen Keimen und den schützenden Laktobazillen. Dadurch schwächen sie die gesamte Scheidenflora.
Forscher dokumentierten, dass sich die Zusammensetzung der Scheidenflora bereits innerhalb weniger Tage nach Beginn einer Antibiotika-Therapie deutlich verschiebt: Krankheitsassoziierte Bakterien werden zunächst rasch reduziert, gleichzeitig sinkt aber auch die Zahl der schützenden Laktobazillen. Dadurch steigt der pH-Wert, und Candida findet ein Milieu ohne bakterielle Konkurrenz vor – ideale Bedingungen, um sich ungehindert auszubreiten.
So kann auf eine bakterielle Infektion kurz darauf ein Scheidenpilz folgen, der wiederum ein Antimykotikum notwendig macht – ein Ping-Pong-Effekt, der die Scheidenflora wiederholt aus dem Gleichgewicht bringt. Das erklärt auch, warum manche Frauen scheinbar ständig Scheidenpilz bekommen: Nicht jede Episode ist eine neue, unabhängige Infektion – oft handelt es sich um eine Scheidenflora, die sich zwischen den Behandlungen nie vollständig erholen konnte.
Auch hormonelle Schwankungen, ein geschwächtes Immunsystem, ein unbehandelter Diabetes oder synthetische, enganliegende Unterwäsche zählen zu den Faktoren, die wiederkehrenden Scheidenpilz begünstigen. Bei häufigen Rückfällen lohnt sich daher eine gründliche Ursachenklärung, statt Symptome immer wieder nur akut zu behandeln.
Schleimhäute von innen unterstützen: Die Rolle von Biotin und Vitamin B2
Damit sich Laktobazillen dauerhaft in der Scheide ansiedeln können, ist eine gesunde Schleimhaut wichtig. Gemeinsam mit dem sauren Milieu durch die Scheidenflora bildet sie die erste Verteidigungslinie der Scheide. Dafür müssen sich die Zellen der Schleimhaut fortlaufend erneuern. Für diesen Aufbau- und Regenerationsprozess sind wiederum ausreichend Energie und Baustoffe nötig.
Vitamin B2 ist an der Energiegewinnung der Zellen beteiligt, die von sich schnell erneuernden Schleimhautzellen benötigt wird. Biotin wiederum ist an der Bildung von Fettsäuren beteiligt, die Bestandteil der schützenden Zellmembranen sind. Beide B-Vitamine tragen zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei – eine Funktion, die für Schleimhäute im gesamten Körper gilt.
Ein Mangel an Biotin oder Riboflavin macht sich häufig zuerst an Haut und Schleimhäuten bemerkbar – etwa durch eingerissene Mundwinkel, eine raue, gereizte Haut oder eine erhöhte Empfindlichkeit der Schleimhäute. Riboflavin nimmt der Körper vor allem über Milchprodukte, Eier und Vollkornprodukte auf, Biotin zusätzlich über Nüsse und Hülsenfrüchte. Da beide Vitamine wasserlöslich sind und nicht in relevanten Mengen gespeichert werden, ist eine regelmäßige Zufuhr über die Ernährung wichtig.
Die zweite Verteidigungslinie: Das Immunsystem der Schleimhaut
Neben der biochemischen Barriere aus Milchsäure, die von Laktobazillen gebildet wird, und einer intakten Schleimhaut verfügt der Körper über eine zweite Verteidigungslinie: das lokale Immunsystem. Spezialisierte Zellen der Schleimhaut bilden körpereigene Abwehrstoffe – sogenannte antimikrobielle Peptide – und Antikörper, insbesondere sekretorisches Immunglobulin A. Diese wehren Erreger direkt an der Eintrittspforte ab.
Damit die Abwehrzellen ihre Aufgabe erfüllen können, ist der Körper auf eine Reihe von Mikronährstoffen angewiesen, die zur Funktion des Immunsystems beitragen:
- Vitamin D reguliert die Aktivität von Immunzellen – ein Mangel ist gerade in Mitteleuropa weit verbreitet.
- Vitamin C unterstützt zusätzlich den Zellschutz vor oxidativem Stress.
- Zink ist Bestandteil zahlreicher Enzyme der Immunabwehr.
- Selen wird für die Bildung antioxidativer Enzyme benötigt, die Immunzellen bei der Erregerabwehr vor oxidativem Stress schützen.
Ist die systemische Immunabwehr geschwächt – etwa durch Stress, Schlafmangel oder einen unbehandelten Diabetes –, steigt das Risiko für wiederkehrende Infektionen zusätzlich zur gestörten Scheidenflora. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte beeinträchtigen dabei zusätzlich die Funktion der Immunzellen und versorgen Hefepilze wie Candida gleichzeitig mit mehr Zucker.
Laktobazillen – Einnahme vs. Zäpfchen: Was ist nachhaltiger?
Vaginalzäpfchen oder -cremes mit Laktobazillen bringen die Bakterienstämme im Akutfall direkt an die Scheidenschleimhaut. Für den langfristigen Aufbau einer stabilen Scheidenflora spielt jedoch auch die Darmflora eine Rolle, denn Darm- und Scheidenflora sind über ihre Bakterien eng miteinander verbunden. Eine Einnahme spezifischer Laktobazillen-Stämme verfolgt daher einen nachhaltigeren, ganzheitlichen Ansatz, der Darm- und Vaginalflora gemeinsam in den Blick nimmt.
Im direkten Vergleich unterscheiden sich beide Ansätze vor allem darin, welchen Weg die Bakterien nehmen:
| Vaginalzäpfchen/-cremes | Präparat zur Einnahme | |
| Ansatzpunkt | Direkt in der Scheide | Über den Darm |
| Weg der Bakterien | Gelangen nicht in den Darm | Passieren zunächst den Darm |
| Anwendungsdauer | Kurzzeitig | Über einen längeren Zeitraum |
Forscher zeigten in einer randomisierten kontrollierten Studie mit 60 Frauen mit Anzeichen einer gestörten Scheidenflora, dass die tägliche Einnahme eines Laktobazillen-Präparates mit Lactobacillus rhamnosus (heute: Lacticaseibacillus rhamnosus) über zehn Tage mit einer messbaren Veränderung der Scheidenflora einherging: Der Anteil an Laktobazillen stieg, während potenziell schädliche Keime abnahmen – ein Effekt, der auch 30 Tage nach Einnahmeende noch nachweisbar war.
Wie stark sich ein solcher Effekt von Frau zu Frau unterscheidet und ob eine solche Verschiebung der Scheidenflora auch die Häufigkeit von Scheidenpilz oder bakterieller Vaginose beeinflusst, wird derzeit erforscht.
Helfen Hausmittel beim Aufbau der Scheidenflora?
Hausmittel wie Joghurt-Tampons, Essigspülungen oder Teebaumöl werden häufig ausprobiert, sind aber wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Joghurt ist weder auf eine bestimmte Bakterienzahl noch auf die Anwendung in der Scheide abgestimmt und enthält weitere Bestandteile wie Milchzucker, die das empfindliche Milieu zusätzlich belasten. Essigspülungen oder ätherische Öle können die Schleimhaut ebenfalls zusätzlich reizen oder das saure Milieu weiter aus dem Gleichgewicht bringen.
Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden empfiehlt sich immer eine Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Fazit: Scheidenflora nachhaltig aufbauen
Wiederkehrender Scheidenpilz und bakterielle Vaginose sind für viele Frauen mehr als eine akute Episode – sie markieren häufig einen Kreislauf, in dem Antibiotika zwar die Erreger einer bakteriellen Vaginose bekämpfen, dabei aber auch die schützenden Laktobazillen schwächen und Hefepilzen ungewollt freie Bahn verschaffen.
Genau hier setzt der langfristige Aufbau der Scheidenflora an: Das saure Milieu aus Laktobazillen und eine durch Biotin und Riboflavin unterstützte, gesunde Schleimhaut bilden gemeinsam die erste Verteidigungslinie der Scheide. Als zweite Verteidigungslinie ergänzt das lokale Immunsystem diesen Schutz. Dabei sind die Immunzellen auf Mikronährstoffe wie Vitamin D, Vitamin C, Zink und Selen angewiesen. Zudem kann eine Einnahme spezifischer Laktobazillen-Stämme diesen Aufbau begleiten, da Darm- und Scheidenflora eng miteinander verbunden sind.
Häufig gestellte Fragen zur Scheidenflora
Gut versorgt mit Mikronährstoffen

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Literatur
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